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Chios ist die fünftgrößte Insel Griechenlands und wird oft auch „Insel des Mastix“ genannt. Hier verschmelzen mittelalterliche Geschichte, raue Natur und einzigartige landwirtschaftliche Traditionen auf harmonische Weise. Anders als einige der touristischeren Inseln hat sich Chios eine authentische und elegante Atmosphäre bewahrt, die auf seiner reichen Schifffahrtsgeschichte und der lokalen Produktion basiert.

Geschichte
Chios blickt auf eine tiefgründige und mitunter bewegte Geschichte zurück, die sich über 8.000 Jahre erstreckt.

Antike Wurzeln: Die Insel gilt als Geburtsort des epischen Dichters Homer. In der Antike war sie einer der ersten Orte weltweit, an dem sich eine Form der Demokratie etablierte, und berühmt für ihren Rotwein „Ariousios Oinos“.

Mittelalterlicher Wohlstand: Die Insel erlebte unter byzantinischer und später genuesischer Herrschaft (1346–1566) eine Blütezeit. Die Genuesen befestigten die südlichen Mastixdörfer, um den wertvollen Harzhandel vor Piraten zu schützen.

Osmanische Ära & Tragödie: Chios genoss unter osmanischer Herrschaft aufgrund seines Mastixharzes besondere Privilegien. 1822 ereignete sich jedoch während des Griechischen Unabhängigkeitskrieges das „Massaker von Chios“, eine Tragödie, die Europa entsetzte und in einem berühmten Gemälde von Eugène Delacroix verewigt wurde.

Neuzeit: Nach einem verheerenden Erdbeben im Jahr 1881 wurde die Insel schließlich befreit und schloss sich 1912 Griechenland an.

Beschreibung & Wichtigste Regionen
Chios-Stadt (Hora): Die lebhafte Hauptstadt besticht durch eine imposante mittelalterliche Burg, die quirlige Uferpromenade (Prokymaia) und die historische Einkaufsstraße Aplotaria.

Die Mastixdörfer (Mastichochoria): Diese 24 mittelalterlichen Dörfer im Süden sind die einzigen Orte weltweit, an denen der Mastixbaum (Pistacia lentiscus) sein einzigartiges Harz produziert.

Pyrgi: Bekannt als das „Bunte Dorf“ für seine atemberaubenden schwarz-weißen geometrischen „Xysta“-Muster an jedem Gebäude.

Mesta: Ein perfekt erhaltenes, labyrinthartiges Burgdorf, dessen Häuser eine äußere Wehrmauer bilden.

Kampos: Eine üppige, fruchtbare Ebene südlich der Stadt, übersät mit Zitronenhainen und prächtigen Steinhäusern, erbaut von der genuesischen und chianischen Aristokratie.

Typische Speisen & Lokale Produkte
Die Gastronomie von Chios wird von ihren zwei „Goldprodukten“ geprägt: Mastix und Zitrusfrüchten.

Mastixprodukte: Probieren Sie Ypovrychio (die „U-Boot“-Süßigkeit – ein Löffel Mastixpaste in kaltem Wasser), Mastixliköre und sogar herzhafte Gerichte wie Pasta mit Mastix.

Zitrusfrüchte & Löffelsüßigkeiten: Die Chios-Mandarine (ein Produkt mit geschützter Ursprungsbezeichnung) ist unglaublich aromatisch. Sie finden es in Säften, Marmeladen und „Löffelbonbons“ (konservierte Früchte, die auf einem Löffel serviert werden).

Mastelo-Käse: Ein weicher, weißer Käse aus Kuh- oder Ziegenmilch, der am besten gegrillt schmeckt.

Spirituosen: Souma (ein starker Feigenbrand) und hochwertiger Ouzo aus der Region.

Hausgemachte Pasta: Probieren Sie Fytilaki oder Spartos-Pasta, die oft mit geschmortem Ziegenfleisch serviert wird.

Aktivitäten & Erkundungen
Museumsbesuche: Besuchen Sie das hochmoderne Mastixmuseum in Pyrgi oder das Zitrusmuseum in Kampos.

Kloster Nea Moni: Eine UNESCO-Welterbestätte aus dem 11. Jahrhundert, bekannt für ihre exquisiten byzantinischen Mosaiken.

Strandbesuche:

Mavra Volia: Ein weltberühmter Strand mit großen, glatten schwarzen Kieselsteinen vulkanischen Ursprungs.

Agia Dinami: Eine einsame Bucht mit traumhaft türkisfarbenem Wasser.

Wandern: Der Norden der Insel bietet anspruchsvolle Wanderwege, darunter den Pfad zum „Geisterdorf“ Anavatos, einer mittelalterlichen Zitadelle auf einer steilen Klippe.

Einkaufsmöglichkeiten:
Aplotaria-Straße (Chios-Stadt): Das wichtigste Geschäftsviertel mit Kleidung, Büchern und Boutiquen.

Markthalle: Ideal für lokalen Käse, Oliven und frisches Obst und Gemüse.

Mastikladen: Filialen in Chios-Stadt und am Flughafen bieten alles von Mastix-Kosmetik bis hin zu Feinkost.

Kunsthandwerksbetriebe: Besuchen Sie Armolia für traditionelle Keramik und Töpferwaren.

Feste & Traditionen:
Raketenkrieg (Rouketopolemos): Am Karsamstagabend feuern in Vrontados zwei rivalisierende Gemeinden Tausende von selbstgebauten Raketen auf die Kirchtürme der jeweils anderen ab – ein spektakulärer, wenn auch chaotischer Brauch.

Der Brauch der „Agas“: Am Rosenmontag (Beginn der Fastenzeit) findet in Mesta und Olympi eine satirische „Gerichtsverhandlung“ statt, bei der ein als osmanischer Richter verkleideter Einheimischer Besucher und Einheimische spielerisch „verurteilt“.

Sommerliche Panigiria: Fast jedes Dorf feiert im August ein Fest (das größte am 15. August) mit traditionellen Talimi-Tänzen, regionalen Speisen und Live-Musik bis zum Morgengrauen.

Natur & Landschaften: Chios ist eine Insel der Kontraste. Der Norden ist gebirgig, wild und felsig und wird vom Berg Pelinnaio dominiert. Die Zentralregion ist geprägt von Pinienwäldern und mittelalterlichen Wachtürmen entlang der Küste. Der Süden ist sanfter und von immergrünen Mastixhainen bedeckt, die der Insel ihren unverwechselbaren Duft verleihen. Besuchen Sie unbedingt die Olympi-Höhle mit ihren beeindruckenden Stalaktiten und Stalagmiten.
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